Sommeliers

Frage und Antwort

Interview mit Steffen Schneider
Biersommelier und Verkaufsleiter
Steffen Schneider

Zu aktuellen Biertrends beraten, Schankschulungen abhalten, Biertastings durchführen – all dies gehört zu den Hauptaufgaben von Steffen Schneider. Im Dezember 2016 hat er seine Prüfung zum Biersommelier erfolgreich bestanden und steht den Kunden der GGS seither in allen Belangen rund um das Thema Bier kompetent zur Verfügung.



 

Herr Schneider, welches ist das letzte Bier, das Sie getrunken haben?
Ein BRLO Porter aus unserem neuen Craftbiersortiment.

Was zeichnet dieses aus?
Porter sind Vorgänger des Stouts und stammen aus England. Das Baltic Porter wird aus dunklen Malzsorten, Röst- und Karamellmalzen gebraut. Die leichte Säure setzt einen Kontrast zu den Nuss- und Karamellaromen.
 
Die Auswahl an Bieren ist riesig. Was unterscheidet ein gutes von einem schlechten Bier?
Gerade in Deutschland werden keine schlechten Biere gebraut, nur Biere, die einem schmecken oder nicht. Macht das Bier nach dem ersten Schluck Lust auf mehr, hat man für sich ein gutes Bier gefunden. Generell kann man sagen: Ein gutes Bier sollte zum Biertyp passen, definierte Flavour-Attribute besitzen. Also ein Pils sollte nach Pils riechen und schmecken. Ein gutes Bier sollte frei von Fehlgerüchen sein und natürlich zum Weitertrinken animieren.

Welches Bier schmeckt Ihnen persönlich am besten und warum?
Ein persönliches Lieblingsbier habe ich nicht. Bei mir kommt es immer auf die Situation an: In den kalten Jahreszeiten bevorzuge ich kräftigere Biere, wie ein Porter und in den heißeren Monaten spritzige, leichtere Biere, wie ein Weißbier. Es gibt so viele tolle Biere, die getrunken werden wollen, da kann und will ich mich nicht auf eines festlegen.

Welches Bier ist zu welcher Speise zu empfehlen?
Das Bier sollte immer den Charakter der Speise unterstützen und nicht überdecken. Ein Pils ist ein hervorragender Begleiter zu Salaten, Meeresfrüchten oder asiatische Gerichten. Weißbier harmoniert bestens mit herzhaften Steakgerichten wie auch deftigen Geflügelvariationen und natürlich zur Weißwurst. Ein Bockbier ist wie geschaffen für würzigen Käse, wie zum Beispiel Gorgonzola oder Schweizer Gruyère.

Wie wichtig ist die Präsentation eines Biers? Sollte jedes Restaurant eine eigene Bierkarte besitzen?
Der Gast kann immer nur das bestellen, was er sieht oder liest. Bietet der Gastronom neben den gängigen Biersorten weitere Bierspezialitäten an, sollte er neben der normalen Getränkekarte noch eine separate Bierkarte führen. Ansonsten läuft er Gefahr, dass sein tolles Biersortiment im Kühlschrank steht und er damit keinen Absatz erzielen kann.

Deutschland – das Land der Biere! Richtig oder wer kann uns hier das Wasser reichen?
Deutschland gehört natürlich mit zu den wichtigsten Bierländern. Aber es gibt noch weitere sehr interessante Bierländer. Belgien zum Beispiel, mit seinen rund 1.000 verschiedenen Bierstilen, darunter viele Klein- und Klosterbrauereien, wie Trappisten- und Abteibiere. Oder die USA, das Mekka der Extreme, mit über 10.000 verschiedene Bierstilen und einer riesigen Bandbreite an Stärke, Farbe, Textur und Braumethoden.

In Deutschland gilt das Reinheitsgebot. Ist das ein Qualitätsmerkmal für unsere Biere oder schränkt es bei Innovationen ein?
Das Reinheitsgebot ist für mich schon noch sinnvoll. Es bietet viel Platz für spannende und innovative Biere. Die Bierwelt ist groß genug für Biere, die nach deutschem Reinheitsgebot gebraut werden und Biere, die eben anders gebraut werden. Es ist allerdings wichtig, den Endverbraucher zu informieren, wie das Bier gebraut wurde.

Was halten Sie von Craft Bieren – Trendgetränk oder Dauerbrenner?
Der „Craftbier Trend“ tut dem deutschen Biermarkt gut. Es macht das komplette Bier wertiger.Viele Menschen, die sich bisher weniger mit dem Thema auseinandergesetzt haben, tun dies nun und erkennen, welche Vielfalt und Aromanuancen in einem Bier möglich sind. Ich glaube, dass der Trend zu einem Dauerbrenner wird, auch wenn es ein Nischenprodukt bleibt.

Wohin geht der Trend bei Bieren allgemein?
Der Trend wird sich voraussichtlich, nach den ganzen Aromabomben der Craftbiere, wieder zu leichteren und schwacher gehopften Bierstilen entwickeln. Grund hierfür ist, dass dieser Bierstil für den Endverbraucher einfach zu konsumieren ist und er keine Gewöhnungsphase benötigt.

Abschließend: Flasche oder Dose?
Das Produkt selbst ist oft in der Dose besser geschützt. Trotzdem würde ich in fast allen Fällen zur Flasche greifen.